Werden Steuerscheiben aktiviert, wird nicht über die gesamte Dauer nur ein einzelner ETF bespart. Stattdessen wird regelmäßig ein neuer ETF begonnen – zum Beispiel alle 10 Jahre.
Dadurch entstehen mehrere getrennte „Steuerscheiben“ mit unterschiedlichen Kaufzeitpunkten und damit unterschiedlichen stillen Gewinnen.
Die Idee hinter Steuerscheiben ist relativ einfach:
Bei der Entnahme in der Rentenphase oder bei Umschichtungen im Rahmen des Ablaufmanagements sollen zuerst die jüngeren ETF-Anteile verkauft werden.
Warum?
- Jüngere ETF-Anteile enthalten meist geringere Kursgewinne.
- Dadurch fällt beim Verkauf zunächst weniger Steuer an.
- Die Nettoauszahlung ist anfangs höher.
Das kann insbesondere in den ersten Jahren der Auszahlungsphase steuerlich vorteilhaft wirken.
Ein häufiger Irrtum ist:
„Steuerscheiben verbessern automatisch das Steuerergebnis.“
Das ist fachlich so nicht korrekt.
Denn Steuerscheiben verändern vor allem:
- wann Steuern anfallen
- nicht jedoch automatisch die gesamte Steuerlast
Am Ende müssen reale Kursgewinne grundsätzlich immer versteuert werden.
Wird eine Steuer heute nicht gezahlt, fällt sie später an. Die Steuer wird also zunächst nur zeitlich verschoben.
Ob Steuerscheiben tatsächlich einen wirtschaftlichen Vorteil bringen, hängt entscheidend davon ab, wie die Entnahme definiert wird.
1. Feste Bruttoentnahme
Beispiel:
Jährlich werden 20.000 € brutto aus dem ETF-Sparplan verkauft.
In diesem Fall gilt:
- mit Steuerscheiben → anfangs geringere Steuer
- ohne Steuerscheiben → anfangs höhere Steuer
Gleichzeitig verschiebt sich die Steuerbelastung aber lediglich in spätere Jahre.
Die gesamte Steuerlast über die vollständige Auszahlungsphase bleibt absolut gesehen dadurch unverändert. Steuerscheiben verändern hier also die zeitliche Verteilung der Steuerzahlungen.
Kaufkraftbereinigt ergibt sich natürlich trotzdem ein wirtschaftlicher Vorteil, weil zu Beginn mehr Geld zur Verfügung steht. In der ausgezahlten, nominalen Summe wirkt sich das aber nicht aus.
Der Auszahlungsplan des Altersvorsorgedepots basiert auf einer Bruttoentnahme. Da wir den ETF-Sparplan identisch behandeln und ebenfalls Bruttoentnahmen simulieren, ergibt sich daraus kein nominaler, wirtschaftlicher Vorteil.
2. Feste Nettoentnahme
Beispiel:
Du möchtest jedes Jahr 15.000 € netto erhalten.
Jetzt muss rückwärts berechnet werden:
Wie viel brutto muss verkauft werden, damit nach Steuern genau 15.000 € übrig bleiben?
Hier entsteht ein echter wirtschaftlicher Unterschied:
- ohne Steuerscheiben → höhere Steuerquote → mehr Bruttoverkauf notwendig
- mit Steuerscheiben → geringere Steuerquote → weniger Bruttoverkauf notwendig
Dadurch bleibt langfristig mehr Kapital investiert, wenn man sich für Steuerscheiben entscheidet.
Genau daraus kann langfristig ein realer Vermögensvorteil entstehen. Da beim Altersvorsorgedepot keine Nettoentnahme vorgesehen ist, spielt dieser Effekt für die Simulation keine Rolle.
Beim Ablaufmanagement werden Aktien-ETF-Anteile verkauft und in defensivere Anlagen umgeschichtet.
Genau hier können Steuerscheiben einen echten positiven Effekt haben.
Warum?
- Beim Verkauf jüngerer ETF-Scheiben fallen zunächst geringere Steuern an.
- Dadurch bleibt mehr Netto-Kapital erhalten.
- Dieses höhere Netto-Kapital kann anschließend in defensivere Anlagen reinvestiert werden.
- Dadurch bleibt insgesamt mehr Vermögen im Depot investiert.
In diesem Fall entsteht also tatsächlich ein realer wirtschaftlicher Vorteil.
Genau deshalb verbessert sich das Ergebnis des ETF-Sparplans in dieser Simulation durch Steuerscheiben, sobald ein Ablaufmanagement aktiv ist.
Der Rechner modelliert ETF-Steuerscheiben möglichst realitätsnah.
Dabei werden unter anderem berücksichtigt:
- echte FIFO-Verkäufe
- getrennte ETF-Steuerscheiben
- getrennte Vorabpauschalen je Steuerscheibe
- Teilfreistellung
- steuerliche Vorbelastungen durch Vorabpauschalen
- Ablaufmanagement und Umschichtungen
- separate Behandlung defensiver ETF-Anteile
Die steuerlichen Effekte entstehen dadurch direkt aus der tatsächlichen Modelllogik und nicht aus vereinfachten pauschalen Annahmen.
- Steuerscheiben sind kein automatischer „Steuerspartrick“.
- Ohne Nettoziel verschieben sie die Steuerlast nur zeitlich.
- Kaufkraftbereinigt ergibt sich dennoch ein wirtschaftlicher Effekt.
- Ein echter Vorteil entsteht aber insbesondere bei Nettoentnahmen oder steuerpflichtigen Umschichtungen.
- Beim Ablaufmanagement können Steuerscheiben deshalb einen realen positiven Effekt erzeugen.