Für interessierte Anwender
Faktormodell zur Ermittlung des zu versteuernden Einkommens

Bevor die Einkommensteuer berechnet werden kann, benötigt der Rechner zunächst das zu versteuernde Einkommen (zvE). Dafür stehen zwei unterschiedliche Wege zur Verfügung: das kompakte Faktormodell und die vereinfachte Steuerermittlung .

Das Faktormodell ist die einfache Variante. Es versucht nicht, eine Steuererklärung nachzubauen, sondern schätzt das zvE mit einem typisierten Faktor.

Vereinfacht gilt
zu versteuerndes Einkommen ≈ Einkommen × zvE-Faktor
Ein Faktor von beispielsweise 0,80 bedeutet nicht, dass 20 % Steuer anfallen. Er bedeutet lediglich, dass im Modell nach typischen steuerlich relevanten Abzügen rund 80 % des maßgeblichen Einkommens als zvE verbleiben.

Erst auf dieses ermittelte zvE wird anschließend der Einkommensteuertarif des jeweiligen Simulationsjahres angewendet.


Das automatische Standardmodell

Die Standardfaktoren sind heute keine einzelnen festen Werte mehr. Der Rechner ermittelt den Faktor in der Ansparphase für jedes Jahr und für jede Person neu.

Dabei werden insbesondere berücksichtigt:

  • Einkommenshöhe,
  • zeitliche Entwicklung des Einkommens und der Abzüge,
  • Arbeitnehmer- oder Beamtenstatus,
  • Kinder und Alleinerziehendenstatus sowie
  • bei Paaren die jeweilige Situation von Hauptperson und Partner.

Dadurch kann sich der Faktor im Laufe der Simulation verändern. Vor allem Sozialversicherungsbeiträge und Beitragsbemessungsgrenzen führen dazu, dass die Relation zwischen Bruttoeinkommen und zvE bei niedrigen und hohen Einkommen unterschiedlich ausfällt.

Beispiel
Für einen Arbeitnehmer mit rund 60.000 € Jahresbrutto im Jahr 2027 ergibt sich im kalibrierten Standardmodell beispielsweise ein zvE-Faktor von ungefähr 0,775.
Der konkrete Faktor kann sich bei anderem Einkommen, in späteren Jahren oder bei einer anderen persönlichen Konstellation entsprechend verändern.
Wie wurden die Standardfaktoren bestimmt?
Das Modell wurde nicht nur anhand einzelner Beispielpersonen festgelegt. Für die Kalibrierung wurden mehr als 2.000 Modellläufe ausgewertet.
Getestet wurden unter anderem unterschiedliche Einkommen, Arbeitnehmer und Beamte, Singles und Paare, verschiedene Einkommensverteilungen, Kinderkonstellationen sowie Simulationsjahre bis 2057. Zusätzlich wurde die Rentenphase separat untersucht.
Als Referenz diente jeweils die deutlich detailliertere vereinfachte Steuerermittlung. Ziel war dabei bewusst nicht, jeden Einzelfall exakt zu treffen, sondern ein stabiles und plausibles Standardmodell für langfristige Vergleiche zu erhalten.

Besonderheiten bei Beamten

Beamte haben eine andere typische Abzugsstruktur als sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Deshalb verwendet das Standardmodell für Beamte eine eigene Kalibrierung.

Dabei wird unter anderem berücksichtigt, dass keine regulären Beiträge zur gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung anfallen. Auch die typische Belastung durch private Kranken- und Pflegeversicherung wird modellhaft berücksichtigt.

Die verwendete PKV-Näherung orientiert sich an einem Referenzfall und wird abhängig vom Alter sowie über die Zeit fortgeschrieben. Sie ersetzt ausdrücklich keine individuelle PKV-Berechnung.


Die Rentenphase

Für die Rentenphase verwendet das Faktormodell bewusst einen einfacheren gemeinsamen Standardfaktor. Dieser wurde ebenfalls gegen die vereinfachte Steuerermittlung kalibriert und beträgt derzeit 0,85.

Gesetzliche Renten und Beamtenpensionen werden dabei trotzdem nicht gleich behandelt: steuerpflichtige Rentenanteile sowie Renten- und Versorgungsfreibeträge werden im Rechner bereits separat ermittelt.

Der Faktor 0,85 bildet deshalb nur die darüber hinausgehenden typisierten Abzüge näherungsweise ab.


Zusätzliche Alternative: Eigene zvE-Faktoren

Wenn du das Faktormodell verwenden möchtest, deine persönliche Situation aber besser einschätzen kannst, kannst du die automatischen Standardfaktoren vollständig durch eigene Werte ersetzen.

Für die Ansparphase können mehrere Altersphasen angelegt werden. Für die Rentenphase kannst du zusätzlich einen eigenen Faktor vorgeben.

persönlicher zvE-Faktor ≈ zu versteuerndes Einkommen ÷ maßgebliches Einkommen

Vergangene Steuerbescheide können dafür eine Orientierung liefern. Sinnvoll ist es, mehrere Jahre zu betrachten und außergewöhnliche Einmaleffekte nicht ungeprüft in eine langfristige Annahme zu übernehmen.


Faktormodell oder vereinfachte Steuerermittlung?
Bereich Faktormodell Vereinfachte Steuerermittlung
Eingabeaufwand gering höher
zvE-Ermittlung kalibriertes Standardmodell jährliche Herleitung wesentlicher Abzüge
Hauptperson / Partner in der Ansparphase personenbezogen personenbezogene Berechnung
Sozialversicherung typisiert im Faktor jährlich modelliert
GKV / PKV / Beihilfe typisierte Annahmen individuelle Versicherungsmodelle
Kinder vereinfachte Faktorwirkung gesonderte jährliche Berücksichtigung
Eigene Annahmen eigene Faktoren und Altersphasen konkrete persönliche Eingaben

Beide Verfahren verwenden anschließend dieselbe Steuersimulation . Der entscheidende Unterschied liegt also nicht im späteren Einkommensteuertarif, sondern darin, wie das zvE zuvor ermittelt wird.


Kurz gesagt

Das Faktormodell ist für Nutzer gedacht, die ohne viele zusätzliche Eingaben eine plausible langfristige Simulation durchführen möchten. Die automatische Variante wurde anhand einer großen Zahl unterschiedlicher Modellfälle kalibriert und passt sich in der Ansparphase dynamisch an.

Wenn du Krankenversicherung, Sozialversicherung, Familienkonstellation und persönliche Abzüge genauer abbilden möchtest, ist die vereinfachte Steuerermittlung die passendere Variante.

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